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The end of the Homeoffice: Long live the Homeoffice!

Die Tage im Homeoffice scheinen gezählt: Dank geringer Corona Fallzahlen in Deutschland und routiniertem Umgang mit Abstands – und Hygiene-Regeln kehren viele Angestellte in diesen Tagen in das Büro zurück. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis dazu umhöre, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Sollte das Homeoffice zur neuen Normalität gehören, in die wir uns im wahrsten Sinne schon häuslich eingerichtet haben?

Also erst einmal kann man sich sicherlich glücklich schätzen, wenn man das improvisierte Arbeiten am Küchentisch und co. ohne Bandscheibenvorfall und Haltungsschäden überstanden hat. So deutsch wie es klingt, gibt es nicht ohne Grund Arbeitsstättenrichtlinien, die neben Ergonomie Themen wie Belichtung und Belüftung bis hin zum Lärmschutz definieren. Aber wer möchte denn andererseits schon einen so herrlich hässlichen ergonomischen Bürostuhl in seinem Wohnzimmer stehen haben? Vermutlich verfügen die wenigsten Büroangestellten über einen separaten Arbeitsraum.

Was macht also den Zauber des Homeoffices aus? Eine schnelle Antwort dazu wäre sicherlich, dass man den Küchentisch auch dazu nutzen könnte, seine Beine hochzulegen und einen Gang herunterzuschalten. Studien zur Folge wird aber die Produktivität im Homeoffice gesteigert, Smalltalk unter Kollegen an der Kaffeemaschine entfällt und in Videocalls kommt man schneller auf den Punkt als in Büromeetings.

Für mich ist die Antwort ganz einfach.

In unseren vier Wänden umgeben wir uns mit Dingen, die wir gerne mögen und die uns bestenfalls Geborgenheit schenken. Neben funktionalen Elementen werden wir beseelt von poetischen und persönlichen Elementen. Im Lockdown haben wir soviel Zeit zu Hause verbracht wie noch nie und oftmals die Zeit dazu genutzt, Schränke aufzuräumen, Möbel zu reparieren oder die Wohnung gleich ganz zu renovieren. Ich kann man mich an Menschenschlangen vor den Baumärkten erinnern, als diese wieder eröffnen durften. Also warum sollte man sein Heim nun verlassen wollen, wenn es am schönsten ist?

https://www.architecturaldigest.com/story/kourtney-kardashian-tells-us-where-to-buy-everything-in-her-home-office

Laut Recherche des Cultural Capital Producers Jan Teunen (Co-Autor von Officina Humana) gibt es dazu eine Parallele in der Renaissance. Die Menschen sind dort nicht viel herausgegangen, aber sie haben sich die Welt zu sich geholt. Sie haben Wunderkammern kreiert und konnten sich dort unendlich lang aufhalten. Das Homeoffice von Jan Teuren ähnelt so einer Wunderkammer. Ein Rückzugsraum, an dem er bis an sein Lebensende glücklich sein kann. In ihm steckt nicht das romantische Verlangen, dass das Glück dort ist, wo er gerade nicht ist. Und das sollte die Regel sein – nicht nur im Homeoffice, auch im Büro.

Soweit so poetisch. Aber wie können wir diese Erkenntnisse in die Büroetagen unserer Städte einbringen?

Natürlich vermissen wir unsere Kollegen, ein Zoom Meeting kann kein persönliches Treffen ersetzen. Neurowissenschaftler haben aber herausgefunden, dass die Aufenthaltsqualität einer Person ihr stärkster Motivationsfaktor ist, noch vor sozialen Interaktionen. Das besondere Augenmerk auf gestaltete Räume innerhalb eines Büros wird oftmals auf repräsentative Orte wie das Foyer, der Besprechungsraum oder das Café gelegt. Der eigentliche Arbeitsraum der Mitarbeiter fällt oft funktional aus. In wirtschaftlich gut laufenden Zeiten fällt das nicht besonders auf. In der Krise verlangt die Seele nach positiver Inspiration inzwischen der anhaltenden schlechten Nachrichten. Eine positive Stimulans der Sinne ist also unabdingbar, um Kraft schöpfen zu können und Potenziale entfalten zu lassen. Und schöpferische Arbeit rückt in das Zentrum unseres Handelns, wenn Artificial Intelligence einen Großteil unserer Arbeit übernehmen wird.

https://www.cinema.de/film/playtime,1302996.html

Und hier kommt die Schönheit ins Spiel. Schöne Dinge haben einen schlechten Ruf, weil sie mit oberflächlich gleichgesetzt werden. Vielleicht nennen wir es besser Ästhetik und sprechen über die Kraft, die durch gute Gestaltung entsteht. Stress und Ängste entstehen von ganz allein in diesen Tagen, kraftvoll durchflutete Räume beflügeln die Mitarbeiter. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Wir sprechen nicht von Tischkickern, Bällebädern oder Selfiespots. Mitarbeiter wollen schließlich nicht zurück ins Kinderzimmer. Das haben hoffentlich alle verstanden und wir können die Bälle aus der Wanne lassen.

Es geht um wahre Stabilitätsfaktoren, die Design schaffen kann. Und da darf man ruhig ein wenig übertreiben. Die Mitarbeiter werden es wertschätzen. Ein besonderer Ort deutet darauf hin, dass dort auch besondere Dinge entstehen. Wer wäre da nicht gerne dabei? Und was würde man verpassen, wenn man in Homeoffice geblieben wäre? Alles.

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