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BACK IN THE CITY: HOW TIK TOK-ABLE IS YOUR STORE?

Credits: Patrick Sun

Die Corona Pandemie wird die Gesichter unserer Innenstädte verändern. Aus Konsumentensicht sage ich: Herzlichen Glückwunsch, es kann nur besser werden. Und laut einer jüngst erschienenen Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH in Zusammenarbeit mit Professor Werner Reinartz wird sich der Strukturwandel im Handel sogar noch beschleunigen und zwar um voraussichtlich sieben bis acht Jahre. Sie rechnen damit, dass bis 2023 bis zu 80.000 Läden und damit rund ein Fünftel der stationären Geschäfte in Deutschland schließen müssen. Noch vor einem Jahr war das IFH von 64.000 Schließungen bis 2030 ausgegangen.

Ich bin davon überzeugt, dass es Konzepte für den Handel gibt, die die Kunden nach dem Lockdown zurück in die Stadt locken werden. Der reine Abverkauf mit dem immer gleichen Markengesicht der großen Modeketten ist vorbei. Und um ehrlich zu sein: Wer wird es vermissen? Viele Konsumenten lernen zurzeit, ohne Innenstadt auszukommen. So wurden im vergangenen Jahr nach Berechnungen des IFH 14,4 Milliarden Euro zusätzlich im Onlinehandel ausgegeben. Damit war der Zuwachs im E-Commerce mehr als doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. Und wenn der Online-Einkauf erlebnisreicher ist als der vormalige Besuch im stationären Handel, gilt es dringend eine Antwort darauf zu finden, warum die Kunden trotzdem in die Stadt gehen sollen, wenn sie auch bequem online Produkte bestellen können.

Wie in allen Branchen gibt es Gewinner und Verlierer in der Pandemie. Wie sieht es im Einzelhandel aus? Während der Lebensmitteleinzelhandel um voraussichtlich zwölf Prozent und der Fahrradmarkt sogar um 34 Prozent zulegte, verlor der Textilhandel ein Viertel seiner Umsätze. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Aus meiner Sicht ist der Erfolgsfaktor zukünftiger Shopkonzepte leicht greifbar. Man muss Kunden im stationären Handel etwas anbieten, was online einfach nicht angeboten werden kann. Den Weg, den nun Deutschlands Parfümeriegigant Douglas ankündigte, verdeutlicht diese These. Douglas plant jede siebte Filiale in Deutschland schließen zu wollen und verfolgt ein neues Flagship-Store Konzept. Der Fokus liegt auf Beratung, zusätzliche Services und natürlich das Ausprobieren der Produkte vor Ort. Dazu werden spezielle Erlebnis-Formate etabliert, bei dem der ehemals Drogerie-Charakter zunehmend mit Spa-Elementen aufgewertet wird: Ein Kosmetikbereich mit Gesichtsbehandlungen, Make-up-Schulungen und auch einen Friseur. Denn starke Erlebnisse führen zu einer langfristigen Kundenbindung.

Ein passendes Beispiel dafür, wie erfolgreich ein neues Retail Konzept selbst in Lockdown Zeiten sein kann, sind so genannte „Candy Worlds“. Die Süßigkeiten-Kette hat in Rekordzeit Läden in Hamburg, Köln, München, Berlin und Co. aufgemacht.

Was macht den Candy-World-Hype aus? Es werden Süßigkeiten aus Amerika angeboten, die es im normalen Einzelhandel nicht gibt. Die Candy World bietet auch Cereal Bowls an, welche live für die Kunden zubereitet werden. Die Begehrlichkeit der Produkte ist soweit verständlich, aber reicht das?

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Ich konnte mit eigenen Augen beobachten, wie an einem Wochentag die Kunden bereits vor Ladenöffnung Schlange vor der Candy World auf der Mönckebergstraße in Hamburg anstanden. Und diese Kunden gehören zu der jungen umkämpften Zielgruppe, die sich fast ausschließlich in den Online Shops aufhält. Denn ausgelöst wurde der Mega-Hype natürlich im Social Media, insbesondere auf der Plattform TikTok und wurde so zum absoluten Wachstumstreiber. Zahlreiche Jugendliche haben ihren Besuch in der Candy World gefilmt und stolz ihre Beute präsentiert.

Was kann die Retail-Branche nun also von Douglas oder der Candy World lernen?

Ohne Erlebnisse wird ein Shop-Format keine Zukunft mehr haben. Dabei ist es nicht notwendig die gesamte Retailfläche in eine Erlebnisfläche umzubauen, vielmehr reichen kleine Bereiche, in denen sich die Kunden inszenieren können. Douglas und die Candy World schreiten mit gutem Beispiel vor ran. Hoffentlich werden weitere Einzelhändler folgen und die Krise als Chance nutzen, sich neu zu erfinden.*

*Dieser Beitrag ist eine Empfehlung für meine Leser und in keinerlei Kooperation mit den genannten Marken entstanden: #WerbungausBegeisterung. Die Verlinkung ist ein Service an meine Leser.

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