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Travel light: Die Easy Jetisierung unserer Städte.

Ein Sonntag im Januar 2019 in Hamburg in Dauerbetrieb: Dauerregen, Dauersturm und dauerhaft dunkel. Ich schaue andauernd aus dem Fenster, aber es scheint sich heute tatsächlich für keine Minute aufzuklaren. Ich mag nicht vor die Tür gehen. Meine geliebte Oma Anna hätte jetzt gesagt:“ Stell dich nicht so an. Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur die falsche Kleidung.“ Ich mag mich aber anstellen und wäre am liebsten in Palma de Mallorca bei Sonne und angenehmen 20 Grad.

Quelle: https://www.bild.de/

Meine Finger fliegen von der Wetter App direkt weiter zu Ryanair – die sichere Quelle für den Schnäppchen Escape ab 1,99 €. Mein letzter Flug nach Mallorca im Dezember hat 4,99 € gekostet. Bei der Buchung fühlte ich mich unanständig und dem Tod geweiht. Wie kann es möglich sein, dass Ryanair so günstige Flüge bereitstellen kann, ohne an der Sicherheit zu sparen? Und ist es nicht einfach unmoralisch, wenn die Tapas vor Ort teurer sind als der Flug selbst? Nach der Buchung und Schliessen der Ryanair App habe ich mich gefühlt wie jemand der sich heimlich aus dem Puff schleicht und vor Scham nicht gesehen werden möchte. Aber letztendlich war das Verlangen nach Vitamin D stärker als die Scham – dazu muß man stehen! Auf dem Rückflug erzählten die Passagiere auf den Nachbarplätzen ohne jegliches Gefühl der Scham, dass sie morgens mit dem ersten Flieger hin und abends mit dem letzten Flieger geflogen seien, da sie einfach gerne in ihrem Lieblings-Restaurant essen wollten. Das stimmte mich nun doch nachdenklich.

Also erst einmal ist es natürlich wahnsinnig bereichernd für einen breiten Teil unserer Gesellschaft, dass uns Fluggesellschaften günstig und sicher an so viele Ort bringen können. Neben dem sogenannten Jahresurlaub werden so mehrmals im Jahr zusätzlich Städte Trips möglich. Reisen bildet, keine Frage. Und die Städte dürfen sich ebenso freuen: je günstiger die Anreise, desto größer die Reisekasse und mehr Geld für Amüsement. Im Fall von Hamburg ist es für alle Seiten voll aufgegangen: Die anfängliche desaströse ‘over Budget’ Elbphilharmonie wurde zum Tourismusmagneten und spielt der Stadt die Schulden wieder ein. Hamburg ist weitläufig und verträgt den touristischen Ansturm. In der Stadt wachsen parallel dazu neue Hotels. Der Plan geht also auf.
Schauen wir weiter in den Süden Europas: Wie sieht es in Italien und Spanien aus? Dort stoßen die Städte an ihre Grenzen.

Quelle: https://twitter.com/hahnsinn/status/1059713263934623744

Venedig wird wörtlich zertrampelt – Schluss mit der Postkartenidylle aus verträumten Gassen und Kanälen. Jährlich besuchen 30 Mio. Gäste die Lagunenstadt. Es werden mehr Gästebetten bereitgestellt, als dass es Einwohner gibt. Als Folge dessen wird mehr Wohnraum zu Hotels oder touristischen Appartements umgewandelt. Über eine maximale Besucherzahl wird diskutiert – man darf gespannt sein. Mit sinkender Einwohnerzahl verliert die Stadt natürlich auch an Authenzität. Die Einwohner sind die Seele einer Stadt – ohne sie verkommen die Gebäude zu Requisiten eines Vergnügungsparks. Ebenso ergeht es einer Million-Stadt wie Barcelona.

Was machen wir nun daraus? Ich schnappe mir jetzt erstmal den Regenschirm und stelle mich gegen Sturm und Regen. Und ja – Asche auf mein Haupt – der nächste 7,99 € Flug ist gebucht. Im Gepäck ist auf jeden Fall ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedürfnisse meiner Gastgeber. Ich denke Gast ist da das Schlüsselwort und so sollten wir uns alle verhalten.*

*Dieser Beitrag ist eine Empfehlung für meine Leser und in keinerlei Kooperation mit Ryanair entstanden: #WerbungausBegeisterung. Die Verlinkung ist ein Service an meine Leser.

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