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Milan Design Week 2019: Sind die Fashiondesigner die besseren Möbeldesigner?

Die Milan Design Week gilt weltweit als das wichtigste Event für Design. Das Rahmenprogramm “Fuorisalone” während der Mailänder Möbelmesse “Salone del Mobile” ist enorm und erstreckt sich über die gesamte Stadt. Die Aussteller sind selbst organisiert und nutzen ihre Showrooms oder Eventflächen für ihre Präsentationen und Installationen. Der Ursprung geht auf die 80er zurück und richtete sich gemäß der parallel laufenden Möbelmesse an Unternehmen aus der Möbelindustrie. Mit den Jahren entdeckten Art verwandte Industrien aus den Sektoren Automotive, Technologie, Telekommunikation, Kunst, Fashion und Food den “Fuorisalone”.

Das Angebot war also groß, meine Zeit war leider nur sehr knapp. Um es genau zu nehmen: Ich hatte nur einen Tag für meinen Besuch. Ohne eine genaue Vorstellung welche Ausstellungen ich samt Laufplan besuchen möchte, würde dieser Tag sinnlos sein, soviel war klar. Ich legte einen Fokus auf das Designviertel Brera, eine Liste mit allen Spots war schnell erstellt: Cos, Gucci, Bulgari, Missoni, Louis Vuitton, Hermes und vielleicht noch Versace. Sie haben richtig gelesen – es handelt sich tatsächlich allesamt um Modemarken und wir sind weiterhin auf der Design Week und nicht auf der Fashion Week. Und die Präsentationen sind keine Modekollektionen, sondern Interieur Installationen oder eigene Möbel – und/oder Accessoires-Kollektionen. Was steckt also hinter meiner Auswahl, die zunächst intuitiv von mir zusammengestellt wurde.

Zunächst sind die aktuellen Kollektionen der Möbel-Hersteller auf verschiedenen Plattformen abrufbar und damit nicht unbedingt eine Reise nach Mailand wehrt. Ganz im Gegenteil zu den Kollegen aus dem Fashion-Bereich: Selten haben sie für ihre Möbel – und/oder Accessoires-Kollektionen eigene Showrooms, die ihre Vielfalt in Gänze zeigen. In der Modestadt Mailand profitieren sie zusätzlich vom Flair der Stadt. Die Installationen der Modemarken wie COS sind dazu exklusiv auf der Design Week zu sehen. Befreit von der kommerziellen Last gehen sie kreativ höhere Risiken ein und können so uns satte Gestalter besser überraschen. Und ihre hauseigenen Designprinzipien mit Schwerpunkten wie Materialien und Mustern lassen sich natürlich leicht auf Möbelstücke übertragen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fans der Modekollektionen auch Fans der Cross Over Kollektionen werden. Dabei ist zudem die Markenloyalität bei den großen Modemarken sehr hoch.

Aber sind sie deshalb die besseren Möbeldesigner? Das kann man so sicherlich nicht vereinheitlichen. Es lässt sich eher wie folgt zusammenfassen: Gutes Design funktioniert immer Disziplin übergreifend. Ich bin mir sicher, dass andersrum gedacht, die Designer von innovativen Interieur Konzepten das Potential haben auch einen interessanten Beitrag für die Modewelt leisten können.

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