Seasons

Meine neue Inspiration: In der Ruhe liegt die Kreativität.

Ich bin der festen Überzeugung, dass gute Ideen aus Inspirationen entstehen. Wer viel erlebt, kann aus dem Vollem schöpfen. Meine bisherigen Inspirationsquellen sind pulsierende Großstädte. So lass mich durch die Straßen treiben und von den vielfältigen Eindrücke berieseln. Ständig neue Impulse fördern meine eigene Kreativität.

Kurz vor meinem letzten Urlaub auf Mallorca musste ich mir aber eingestehen: Ich habe die letzten Monate ein wenig zu schnell gelebt und war total überreizt. Zeit für eine Inspirations-Bremse, um die Seele einfach mal baumeln lassen zu können. Dazu muss man wissen, dass das Nichts-Tun eine Strafe für mich ist und ich mich selbst zur Ruhe zwingen muss. Es waren also Orte gefragt, an denen man einfach nicht viel mehr tun kann, als sich eine Auszeit zu gönnen. Ich habe mir die Bergdörfer Valldemossa und Deià dazu ausgesucht, die in mitten des Tramuntana Gebirges liegen. Der Höhepunkt der Ruhe und das damit verbundene Höchststrafmaß für mich selbst bestand darin, dass mein iPhone überhaupt keinen Empfang hatte. Mir wurde klar, dass es nun ernst werden würde mit der inspirativen Auszeit. Ich war gespannt, ob ich mich auf die Stille einlassen können würde oder ob ich versuche werde ihr zu entfliehen.

Die Bergdörfer sind in ihrer Größe überschaubar und die Einheimischen leben in Einklang mit der Natur. Die kleinen Steinhäuser sind umrankt aus einem Wechsel von Pinien, Palmen, Zitronen- und Olivenbäumen. Ich merke wie ich durchatme und der Blick in die changierenden Grüntöne entspannt. Neben der Beschaulichkeit und Zurückhaltung entgeht mir aber nicht, dass die beiden Gemeinden sehr stolz auf zwei prominente Bewohner, bzw. Ex-Bewohner zu seinen scheinen. Frederic Chopin hat 1838/39 in der Winterzeit in Valldemossa gelebt. Schwer erkrankt an Tuberkulose leidend und dem Dauerregen ausgesetzt, verfasste er die sehr melodische Regentropfen-Prélude. In dem Nachbarbergdorf Deià wohnt ebenso in den Wintermonaten der berühmte Mode- und Interiordesigner Matthew, um an seinen neuen Kollektionen zu arbeiten. Chopin lebte zur seiner Zeit in Paris und Williams hat seinen Hauptwohnsitz in London.

Bildquelle: https://www.charlesmarlow.com/blog/2018/05/03/designer-matthew-williamson-deia/

Das gab mir zu denken. Sollten die beiden Genies ihres Fachs den Rückzug aus der lebendigen Großstadt bewusst suchen, um sich zu inspirieren und kreativ zu werden? Tatsächlich schärfen sich die Sinne in der gleichförmigen Naturschönheit des Tramuntana Gebirge. So inspiriert ein Regentropfen zu einer ganzen Prélude und wenige Blüten zu einer ganzen Stoffkollektion. Und das alles zur Winterzeit, wenn Mallorca nicht die bekannte Sonneninsel ist, sondern Regen und Nebel in den Bergen hängen. Oft schneit es hier sogar. Verzicht und Eintönigkeit scheinen eine alte und neue Inspirationsquelle zu sein. Ein Genie scheint nicht mehr oder gerade das zu brauchen. Diese Erkenntnis erweitert auch mein Verständnis zu Inspirationen. In der Stille entdecke ich Feinheiten, die ich im Trubel einer Großstadt überhört oder übersehen hätte. Und auf einmal fühlt sich Stille spannend für mich an, in der ich gerne verweile und vollkommen abtauchen kann.

Ich bin nun leider nicht mit neuen Ideen für meine Arbeit zurückgekehrt. Das war ja auch nicht der Sinn meiner Ruhe-Übung. Zumindest hat mich der Aufenthalt zu diesem Blogbeitrag inspiriert – das nenne ich einen Anfang. Ich komme im Winter wieder und werde die Natur und Ruhe neu entdecken.

 

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