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Mein Tag am Palma Beach: Ist die große Party vorbei?

Beachclub und Detox-Smoothies statt Wurstbude und Sangria aus Eimern: Unter der Marketingoffensive Palma Beach wurde die berühmt-berüchtigte Strandbude Balneario seis alias Ballermann 6 im letzten Jahr in Beach Club Six umgetauft. Dieser Beach Club liegt im Herzen der Playa de Palma auf Mallorca, der sich nun Palma Beach nett. Vermutlich dient Miami Beach hier als Vorlage in der Namensgebung und noch viel wichtiger als Vorbild für alle bereits erfolgten und künftigen Sanierungsmaßnahmen. Mit der Eröffnung des ersten 5-Sterne Hotels ist eines klar: Mallorcas beliebtes Urlaubsgebiet soll sich vom Billigtourismus stärker als Destination für Qualitätstourismus positionieren.

Im Rahmen eines Interviews mit dem Magazin abcMallorca fragte mich der Journalist wie ich die Entwicklung am Palma Beach bewerte. Zu der Antwort schlagen tatsächlich zwei Seelen in meiner Brust. Als Gestalterin befürworte ich es natürlich, dass die in die Jahre gekommenen Strandbuden in ansehnliche Beach Clubs umgebaut werden. Aber ist es authentisch einem Kultort ein neues Gewand überzustülpen und zu hoffen, dass sich die Gäste ebenso wandeln oder gleich durch neue Touristen ausgetauscht werden? Haben die Gäste, die einst die Insel groß gemacht haben, ausgedient und sind diese heute weniger willkommen als noch vor 15 Jahren?

Ich bin neugierig, ob nach einem Jahr der Einführung der Kampagne schon erste Veränderungen zu spüren sind. So haben wir uns an einem Morgen in Palma auf unsere Fahrräder geschwungen und sind Richtung Ballermann geradelt. Ich mag diese Fahrradstrecke sehr gerne, da man von der Stadt aus ununterbrochen am Meer entlang radelt und eine kleine Kaffee-Pause an dem wunderschönen ehemaligen Fischerdorf Portixol einlegen kann. Danach beginnt auch schon das großzügige Strandgebiet, bis man am 6. Strandabschnitt angekommen ist.

Kurz vor dem Ballermann 6 ist die der erste Wandel unüberhörbar: Aus den Boxen tönen chillige Salsaklänge statt greller Party-Schlagermusik. Auch optisch hat sich das Strandlokal verändert. Die Bude leuchtet nun in einem sehr gefälligen und edlem Petrolgrün statt dem ehemals glänzendem Alusilber und Knallrot. Auf der Außenseite thront ein aus Holz-Lamellen gefertigter XXL Schriftzug SIX. Es wirkt wie ein Manifest für eine neu beginnende Ära. Für gewöhnlich ist bereits im Mai, also in der Vorsaison, die viel besprochene Party-Hölle am Toben. Es wird gefeiert, als gäbe es kein morgen. Es ist die Saison für alle Junggesellenverabschiedungen oder Fussball- und Kegelclubs auf Partysause. Heute morgen ergibt sich ein für mich noch ungewohntes Bild: Eine durch einheitliche T-Shirts mit dem Schriftzug ‚Helene Fischer Ultras’ markierte Männertruppe sitzt verlegen im Schatten des Beach-Clubs und schlürft gediegen einen Spritz (!). Der Imbissbuden-Charme ist gewichen – eine in allen Details durchgestylte Beach-Club-Atmophäre soll vermittelt werden. Neue Schirme und Liegen zieren das Strandstück vor dem Strandlokal. Vereinzelt erblickt man an der Promenade kleinere Partygemeinden. Im Vergleich zu früher wirken sie etwas fehl am Platz und verloren. Die Party geht nur noch hinter verschlossener Tür ab: In dem Open-Air Partytempel Megapark wird weiterhin fröhlich gefeiert und zu ausgelassener Stimmung getanzt, gesungen und getrunken. In gewohnter Manier wird lauthals gefeiert und es gibt tatsächlich noch die ultra langen Strohhalme, die gemeinschaftlich in einer riesen Sangria stecken. Aber auch dieser Partyraum schwindet. Von der Regierung wurde angeordnet, dass sich die Fläche um 50% verkleinern musste. Die Party scheint daher tatsächlich über kurz oder lang vorbei u sein.

Um diese Eindrücke zu verarbeiten, ziehen wir uns an einen Klassiker am Ballermann zurück: Der Grillmeister mit der besten Currywurst der Insel. Hier hat sich noch nichts verändert. Irritiert aufgrund des Wandels oder aus schlechtem Gewissen lege ich einen grünen Smoothie in dem neuen Beachclub Ginger nach. Mit wörtlich gemischten Gefühlen im Magen radeln wir zurück nach Palma. Ich bin gespannt wie sich der Palma Beach weiterentwickeln wird. Ich hoffe auf eine Koexistenz aller Urlauber – denn schließlich sollte jeder seinen Urlaub so verbringen, wie er möchte!*

* Dieser Beitrag ist eine Empfehlung für meine Leser und in keinerlei Kooperation mit den genannten Lokalen entstanden: #WerbungausBegeisterung. Die Verlinkung ist ein Service an meine Leser.

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